Das Deutsche Architektur Zentrum (DAZ) in Berlin hat die Ausstellung „Baustelle Transformation" eröffnet. Die Schau greift Nachverdichtung, Klimaanpassung und Bestandsumbau auf – zentrale Themen der aktuellen Bau- und Stadtentwicklungsdiskussion. Für Malerhandwerk und Fassadentechnik ist die Ausstellung besonders relevant, weil sie den Fachkräftemangel und digitale Ausbildungsmodelle in den Fokus rückt: Die Branche plant ambitionierte Sanierungsziele, doch fehlen Fachkräfte und praxistaugliche Digitalisierungskonzepte für die Umsetzung.
Nachverdichtung und Bestandssanierung dominieren die Agenda
Die Ausstellung zeigt Projekte und Positionen, die den Wandel der Architekturpraxis dokumentieren. Neubau auf der grünen Wiese wird zunehmend durch Bestandsumbau, Aufstockung und Nachverdichtung ersetzt. Das hat unmittelbare Folgen für Maler- und Stuckateurbetriebe: Sanierungsprojekte erfordern häufig komplexere Arbeitsschritte als Neubau-Erstbeschichtungen. Alte Untergründe müssen analysiert, Grundierungen passgenau gewählt und denkmalrechtliche Vorgaben beachtet werden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Wärmedämmung und Oberflächenqualität.
Die Nachverdichtung und Umnutzung ersetzen fehlendes Bauland – ein Trend, der sich in den vergangenen zwei Jahren beschleunigt hat. Doch die Personaldecke in Handwerksbetrieben wird dünner. Dem deutschen Ausbauhandwerk fehlen bis 2027 schätzungsweise über 80.000 qualifizierte Fachkräfte. Das DAZ zeigt mit der Ausstellung, welche architektonischen Visionen existieren. Offen bleibt die Frage, wer diese Projekte fachgerecht ausführen soll.
Digitale Ausbildung: Konzepte existieren, Umsetzung hapert
Die Ausstellung diskutiert auch, wie Digitalisierung den Planungsprozess verändert. Building Information Modeling (BIM), parametrisches Entwerfen und KI-gestützte Entwurfstools sind längst Realität in großen Architekturbüros. Im Handwerk hingegen fehlen flächendeckende digitale Ausbildungsmodelle. Zwar gibt es Pilotprojekte für virtuelle Trainings in Spachteltechnik oder Fassadenfarbe-Applikation, doch bleiben diese oft auf einzelne Berufsschulen oder Innungen beschränkt.
Das Problem: Während Architekten digital planen, fehlen Handwerksbetrieben oft die Kapazitäten, BIM-Modelle zu lesen oder eigene Leistungsverzeichnisse digital zu erstellen. Die Schnittstelle zwischen Planung und Ausführung bleibt analog – ein Engpass, der Bauzeitpläne verzögert und Kosten erhöht. Die Ausstellung im DAZ thematisiert diese Brüche nicht explizit, doch liegen sie in der Logik ihrer Fragestellung: Wie lässt sich Transformation verhandeln, wenn die ausführenden Gewerke nicht mitgenommen werden?
Konflikte um Material, Budget und Zeitplan
Ein weiterer Aspekt der Schau sind die Konflikte, die mit Transformationsprojekten einhergehen. Sanierungen im Bestand bedeuten oft Kompromisse: Historische Putze müssen erhalten, aber energetisch ertüchtigt werden. Kalkputz und mineralische Anstriche sind denkmalpflegerisch erwünscht, erfordern aber längere Trocknungszeiten und höhere Lohnkosten als moderne Dispersionsfarben. Gerade bei öffentlichen Aufträgen prallen Nachhaltigkeitsansprüche und knappe Budgets aufeinander.
Das DAZ zeigt, wie Architekten mit diesen Widersprüchen umgehen. Für Malerbetriebe bedeutet das konkret: Aufträge werden komplexer, die Kalkulation schwieriger. Gleichzeitig steigt der Druck, Fachpersonal zu finden, das sowohl traditionelle Lasur-Techniken beherrscht als auch mit modernen Beschichtungssystemen umgehen kann.
Was bedeutet die Ausstellung für das Malerhandwerk?
Die Schau im DAZ Berlin ist zunächst eine Bestandsaufnahme der Architekturszene. Doch ihre Relevanz reicht weiter: Sie macht sichtbar, welche baulichen Aufgaben in den kommenden Jahren dominieren werden – und wie groß die Lücke zwischen Planung und Ausführung ist. Malerhandwerk und Stuckateurbetriebe stehen vor der Herausforderung, in einem schrumpfenden Arbeitsmarkt genügend Fachkräfte zu gewinnen und gleichzeitig auf die steigenden technischen Anforderungen von Sanierungsprojekten zu reagieren.
Digitale Ausbildungsmodelle könnten helfen, die Lücke zu schließen. Virtuelle Trainingsmodule für Spachtelputz-Arbeiten, AR-gestützte Farbberatung und Online-Zertifizierungen für Spezialtechniken sind technisch machbar. Doch fehlt oft die Infrastruktur: Nicht alle Berufsschulen verfügen über die nötige Hard- und Software, nicht alle Betriebe haben Zeit und Budget für digitale Weiterbildung.
Zeitenwende oder Stillstand?
Die Ausstellung „Baustelle Transformation" läuft im Deutschen Architektur Zentrum Berlin. Sie zeigt eindrucksvoll, wie Architektur den Wandel verhandelt – auf dem Papier. Ob dieser Wandel in der Praxis ankommt, hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, Fachkräfte zu gewinnen und Ausbildung zu digitalisieren. Malerbetriebe, die heute in Weiterbildung und digitale Tools investieren, positionieren sich für einen Markt, der zunehmend von Bestandssanierung, Altbausanierung Fassade und energetischer Ertüchtigung geprägt sein wird.
Die Schau wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Das ist ihr Verdienst: Sie fordert die Branche auf, über Strukturen und Prozesse nachzudenken, nicht nur über Ästhetik. Für Handwerksbetriebe bedeutet das konkret: Wer heute nicht in Personal und Digitalisierung investiert, wird morgen die ambitionierten Sanierungsprojekte nicht stemmen können – egal, wie gut die Architekten planen.
Weitere Informationen zur Ausstellung finden sich auf der Website des Deutschen Architektur Zentrums. Die Deutsche Bauzeitung setzt Schwerpunkt auf alternatives Bauen und begleitet die Diskussion redaktionell. Parallel dazu zeigt die Zeitschrift „halten" den sozialistischen Modernismus in den Fokus der Denkmalpflege – ein weiteres Beispiel dafür, wie Bestandsumbau und Denkmalschutz zusammenwirken müssen.
